LTL (US-Sammelgutverkehr, dem deutschen Stückgut vergleichbar) wirkt, als würde die Frachtrate allein von Gewicht und Freight Class (US-Frachtklasse nach NMFC) abhängen, und bei den meisten Sendungen stimmt das auch. Doch jeder Tarif eines Frachtführers verbirgt ein zweites Preissystem, das greift, sobald Ihre Sendung zu viel Trailerboden beansprucht: die Linear-Foot-Regel. Überschreitet die Sendung die Schwelle, gilt die kalkulierte Klassenrate nicht mehr: der Frachtführer bewertet die Sendung neu, nach dem Platz, den sie blockiert, oft zu einem deutlich höheren Betrag. Dieser Ratgeber erklärt, wie Linear Feet (belegte Trailerlänge in Fuß) gemessen werden, wo die Schwellenwerte liegen und was zu tun ist, wenn Ihre Sendung nahe an einer solchen Grenze liegt.
Was Linear Feet tatsächlich messen
Linear Feet messen die Länge des Trailerbodens, die Ihre Sendung beansprucht, gemessen von vorn nach hinten entlang des Trailers, unabhängig davon, wie viel von der Breite oder Höhe des Trailers sie ausfüllt. Eine einzelne Palette in der Mitte des Bodens und eine Wand aus Ladung, die sich über beide Seiten erstreckt, zählen gleich: vom ersten bis zum letzten Punkt der Ladung, über die gesamte Länge des Trailers.
Die Rechnung ergibt sich aus der Geometrie des Trailers. Ein Dry-Van-Trailer ist innen etwa 98,5 Zoll breit, sodass US-Paletten (48 × 40 in / 1219 × 1016 mm) genau zweireihig nebeneinander passen. Jede Reihe aus einer oder zwei Paletten beansprucht 48 Zoll (4 Linear Feet) Bodenfläche. Die Europalette (1200 × 800 mm) ist schmaler und kürzer als die US-Palette, sodass sich mit ihr andere Reihenlängen ergeben, die Zahlen unten gelten für die US-Palette:
| US-Paletten (48 × 40 in) | Reihen (2 nebeneinander) | Linear Feet |
|---|---|---|
| 2 | 1 | 4 ft |
| 6 | 3 | 12 ft |
| 10 | 5 | 20 ft |
| 16 | 8 | 32 ft |
| 26 | 13 | 52 ft (ein voller 53-Fuß-Trailer) |
Die allgemeine Formel für jede Grundfläche: Paletten je Reihe = ⌊Trailerbreite ÷ Palettenbreite⌋, Reihen = ⌈Anzahl ÷ Paletten je Reihe⌉, Linear Feet = Reihen × Palettenlänge ÷ 12. Der Linear-Feet-Rechner führt diese Berechnung je Positionsgruppe durch, berücksichtigt doppelstöckige Stapelung und markiert die unten genannten Schwellenwerte automatisch.
Linear Feet und Lademeter: nicht dasselbe
Deutsche Verlader rechnen im Landverkehr in Lademetern (ldm), und die Versuchung ist groß, Linear Feet einfach dafür zu halten. Das ist ein Rechenfehler. Ein Lademeter ist 1 m Ladefläche über die volle Ladebreite von 2,40 m, also rund 2,4 m² Bodenfläche eines Sattelaufliegers. Ein Linear Foot ist dagegen 1 Fuß Länge eines 53-Fuß-Trailers und sagt nichts über die Breite aus. Die Größen sind weder ineinander umrechenbar noch austauschbar: Wer eine US-LTL-Sendung in Lademetern kalkuliert oder umgekehrt, erhält eine falsche Rate. Dieser Ratgeber und der Linear-Feet-Rechner arbeiten durchgehend in Linear Feet.
Die Regel: wo die Klassenpreisung endet
Die meisten LTL-Frachtführer veröffentlichen eine Linear-Foot-Regel in ihrem Regeltarif. Der Wortlaut unterscheidet sich, doch das Grundmuster ist immer gleich: Überschreitet eine Sendung eine festgelegte Anzahl Linear Feet (je nach Frachtführer üblicherweise zwischen 10 und 16), qualifiziert sie sich nicht mehr für die normale klassenbasierte Bepreisung. Stattdessen wendet der Frachtführer eine Volumen- oder „Cube“-Bepreisung an, und eine weit verbreitete Konvention bewertet die Sendung so, als wöge sie 1.000 lb je Linear Foot — selbst wenn die tatsächliche Ladung deutlich leichter ist.
Die Logik dahinter ist einfache Ökonomie. Ein LTL-Frachtführer verkauft denselben Trailer gleichzeitig an viele Versender; eine leichte, sperrige Sendung, die 14 Fuß Boden blockiert, verhindert, dass der Frachtführer diese Fläche an jemand anderen verkaufen kann. Die Linear-Foot-Regel bepreist solche Ladung neu: von „was sie wiegt“ zu „was sie verdrängt“, dieselbe Idee, die der Luftfracht ihr Volumengewicht und der Seefracht-LCL ihre Frachttonne gibt.
Zwei benachbarte Tarifbestimmungen treten häufig zusammen mit der Regel auf. Kubikkapazitätsregeln greifen bei Volumen statt bei Länge: eine gängige Formulierung lautet „750 Kubikfuß oder mehr bei einer Dichte unter 6 lb/ft³“. Und Übergrößen- bzw. Überlängenzuschläge treffen einzelne Packstücke ab einer festgelegten Länge (häufig 8 oder 12 Fuß), selbst wenn die gesamte Sendung klein ist. Ist Ihre Ladung lang, leicht oder beides, lesen Sie alle drei Abschnitte im Regeltarif des Frachtführers, nicht nur den zur Linear-Foot-Regel.
Ein Rechenbeispiel
Angenommen, Sie versenden 8 Paletten Schaumstoffverpackung, 48×40 Zoll, 60 Zoll hoch, je 350 lb, 2.800 lb insgesamt. Zweireihig geladen belegen sie 4 Reihen: 16 Linear Feet. Bei einer Dichte von etwa 5,3 lb/ft³ nennt die Klassentabelle Klasse 125, und ein klassenbasiertes Angebot mag angenehm günstig wirken. Doch 16 Linear Feet übersteigen praktisch jeden Schwellenwert der Frachtführer. Nach der 1.000-lb-je-Fuß-Konvention bepreist, kalkuliert die Sendung mit 16.000 lb Ladung — fast das Sechsfache ihres tatsächlichen Gewichts. Das Klassenangebot war nie der reale Preis.
Dieselbe Ladung, stapelbar, doppelstöckig geladen: 2 Reihen, 8 Linear Feet, unter jedem gängigen Schwellenwert — die normale Klassenpreisung gilt wieder. Ob Ihre Ladung gestapelt oder gedreht werden kann, ist in der Ratenverhandlung häufig mehr wert als jeder Rabattprozentsatz.
Unter dem Schwellenwert bleiben
Stapeln, wenn die Ladung es erlaubt. Doppelstöckiges Stapeln halbiert die Reihenzahl, und die Reihen sind der entscheidende Faktor. Druckempfindliche Ladung lässt sich oft trotzdem stapeln, mit einer Lage Kantenschutz und einer Deckplatte.
Paletten drehen. Werden US-Paletten so gedreht, dass die 40-Zoll-Seite in Trailerrichtung zeigt, sinkt jede Reihe von 4 ft auf 3,33 ft, bei 26 Paletten fällt die Länge von 52 auf etwa 43 Linear Feet. Klären Sie vorher mit dem Frachtführer und Ihren Gabelstaplern, ob eine gedrehte Einfahrt möglich ist; der Trailer-Beladungsrechner zeigt beide Muster nebeneinander.
Aufteilen oder neu bündeln. Zwei 8-Fuß-Sendungen an unterschiedlichen Tagen können günstiger sein als eine 16-Fuß-Sendung, und jenseits von etwa 12–16 Fuß ist es oft günstiger, bewusst Volumen-LTL zu buchen oder eine Partial-Truckload-Sendung zu buchen, als unbeabsichtigt in die Regel zu fallen.
Ehrlich deklarieren. Frachtführer messen nach. Automatische Vermessungsgeräte (Dimensionierer) an der Rampe erfassen Länge, Breite und Höhe jedes Packstücks, und eine Sendung, die mit 8 Fuß kalkuliert wurde, aber 14 Fuß belegt, wird nach der Abholung neu bewertet — genau dann, wenn Sie keine Verhandlungsposition mehr haben.
Kurz-Checkliste vor der Buchung
Berechnen Sie Ihre Linear Feet anhand des tatsächlichen Ladeplans, nicht nur anhand der Palettenzahl. Prüfen Sie im Regeltarif des jeweiligen Frachtführers den geltenden Schwellenwert: am Markt kommen Varianten mit 10, 12 und 16 ft vor. Sind Sie nicht mehr als 2 Fuß von der Grenze entfernt, kalkulieren Sie die gestapelte und die gedrehte Alternative durch. Und überschreitet die Sendung den Schwellenwert eindeutig, holen Sie vorab ein Volumen- oder Partial-Truckload-Angebot ein, statt sich von der Regel auf der Rechnung überraschen zu lassen.