Was ist Demurrage und wie lässt sie sich begrenzen?
Demurrage (Liegegeld) ist die Gebühr, die anfällt, wenn ein beladener Container länger im Terminal steht, als die freie Zeit erlaubt. Die US-Seeschifffahrtsbehörde FMC (Federal Maritime Commission) fasst es ebenso: Demurrage entsteht, sobald der Container die freie Zeit im Terminal überschreitet. Im Import beginnt der Zeitraum je nach Reederei mit der Ankunft des Schiffs, während des Entladens oder nach abgeschlossener Entladung und endet, wenn der volle Container das Terminal verlässt (Gate-out). Auch im Export gibt es Demurrage: zwischen der Anlieferung im Terminal und der Verladung bzw. Abfahrt des Schiffs.
Die freie Zeit ist der Zeitraum, den die Reederei kostenlos gewährt. Wie lang sie ist, hängt von Hafen, Reederei, Containertyp und Anlage ab; in manchen Lagern gibt es gar keine. Festgelegt wird sie in Vertrag oder Tarif – eine gesetzliche Zahl von Tagen gibt es nicht. Ob das Lagergeld des Terminals in der Demurrage enthalten ist oder gesondert berechnet wird, regelt ebenfalls der Tarif.
Die Tage nach Ablauf der freien Zeit (Verzug-Tage) werden pro Container und Tag abgerechnet, und zwar gestaffelt: Der Tagessatz steigt von der ersten zur zweiten Staffel und danach noch einmal. Die Gebühr entschädigt den Eigentümer von Container und Stellfläche. Zugleich soll sie dazu bewegen, Container zügig abzuholen und Platz freizugeben, damit Häfen nicht zum Dauerlager werden.
Ganz vermeiden lässt sich Demurrage nicht immer. Wer die Abholung plant und früh mit Reederei, Spedition und Zollagentur abstimmt, kann die Kosten aber deutlich senken. Wird der Container innerhalb der freien Zeit abgeholt, fällt für diesen Zeitraum keine Demurrage an.
Demurrage berechnen
Gerechnet wird in zwei Schritten. Zuerst gilt: Verzug-Tage = Gesamttage im Terminal − freie Zeit. Anschließend werden die Verzug-Tage den Staffeln des Tarifs zugeordnet und je Staffel mit dem Tagessatz multipliziert; die Summe ergibt die Kosten je Container.
Vor der Eingabe lohnt ein Blick darauf, wie der Tarif zählt. Manche Reedereien rechnen in Kalendertagen einschließlich Wochenenden und Feiertagen, andere in Werktagen. Auch der erste Zähltag ist nicht einheitlich geregelt. Der Rechner zählt Kalendertage, der Starttag ist Tag 1, der Endtag zählt mit.
Die Staffeln beginnen im Rechner mit dem ersten Verzug-Tag. Tarife, die ihre Staffeln ab Fristbeginn einschließlich der freien Zeit angeben, müssen vorher umgerechnet werden. Im Importtarif von ONE für Japan etwa sind Tag 1–6 frei, Tag 7–10 bilden die erste und Tag 11–15 die zweite Staffel. Für den Rechner heißt das: 6 Tage freie Zeit, erste Staffel 4 Tage, zweite Staffel 5 Tage.
- Zeitraum festlegen: Start- und Enddatum laut Tarif bestimmen (z. B. Entladetag bis Gate-out) und klären, ob Kalender- oder Werktage zählen.
- Freie Zeit abziehen: Gesamttage − freie Zeit = Verzug-Tage. Ist das Ergebnis null oder kleiner, fällt für diesen Zeitraum keine Demurrage an.
- Verzug-Tage verteilen: zuerst die erste Staffel füllen, dann die zweite; alle übrigen Tage fallen unter den Folgesatz.
- Je Staffel rechnen: Tage × Tagessatz.
- Beträge addieren und mit der Anzahl der Container multiplizieren.
Beispiel: 9 Tage im Terminal, 4 Tage frei
Ein Container steht 9 Tage im Terminal, der Tarif gewährt 4 Tage freie Zeit. Als Tagessätze werden angenommen (Beispielwerte, kein echter Tarif): 150 USD für die ersten 3 Verzug-Tage, 300 USD ab dem 4. Verzug-Tag.
| Tage im Terminal | 9 Tage |
| Freie Zeit | 4 Tage |
| Verzug-Tage (9 − 4) | 5 Tage |
| Staffel 1 (Tag 1–3): 3 × 150 USD | 450 USD |
| Staffel 2 (Tag 4–5): 2 × 300 USD | 600 USD |
| Summe je Container | 1.050 USD |
Demurrage für einen Container: 1.050 USD. Der erste Verzug-Tag kostet 150 USD, im Schnitt sind es 210 USD pro Tag.
Demurrage vs. Detention vs. Per Diem
Die Gebühren unterscheiden sich vor allem danach, wo der Container steht und welcher Zeitraum berechnet wird.
| Gebühr | Berechnet wird | Standort des Containers | Rechnungssteller |
|---|---|---|---|
| Demurrage | Beladener Container im Terminal über die freie Zeit hinaus (Import; auch im Export) | im Terminal | Reederei oder Terminalbetreiber |
| Detention | Nutzung außerhalb des Terminals über die freie Zeit hinaus (Import: Abholung bis Leerrückgabe) | außerhalb (Lager, unterwegs) | Reederei |
| Per Diem | US-Begriff für eine Detention-Gebühr pro Tag; überschneidet sich mit Detention und zählt bei der FMC zu „D&D“ | außerhalb des Terminals | Reederei |
Häufige Fehler
- Demurrage und Detention verwechseln: Wer eine Rechnung beanstandet, ohne zu prüfen, wo der Container im berechneten Zeitraum stand, widerspricht womöglich der falschen Position.
- Staffeln ab Fristbeginn ohne Umrechnung eingeben: Zählt der Tarif ab Tag 1 einschließlich freier Zeit („Tag 7–10“), müssen die Staffeln vorher auf Verzug-Tage umgerechnet werden. Sonst stimmt die Verteilung nicht.
- Kalender- und Werktage nicht prüfen: Rechnet der Tarif in Werktagen oder beginnt er erst am Tag nach dem Entladen, weicht das Ergebnis des Rechners von der Rechnung ab.
- US-Rechnungen ungeprüft bezahlen: Fehlen Pflichtangaben nach 46 CFR §541.6 oder kommt die Rechnung später als 30 Kalendertage nach dem letzten Gebührentag, entfällt die Zahlungspflicht.
- Demurrage und freie Zeit nicht im Angebot klären: Demurrage- und Detention-Sätze pro Container und Tag sowie die freie Zeit gehören schon ins Angebot der Spedition.
- Tarife mit mehr als drei Staffeln verkürzt eingeben: Der Rechner kennt zwei Staffeln plus Folgesatz. Bei Tarifen mit vier oder mehr Stufen, etwa dem Lagergeld des Terminals HJNC in Busan mit sieben Stufen, weicht das Ergebnis ab.
Wie wird Demurrage berechnet?
Zuerst zählt man die Tage, die der Container im Terminal stand, und zieht die freie Zeit ab. Das Ergebnis sind die Verzug-Tage, also die berechneten Tage nach Ablauf der freien Zeit. Diese werden ab dem ersten Verzug-Tag auf die Staffeln des Tarifs verteilt, je Staffel mit dem Tagessatz multipliziert und addiert. Das ergibt die Kosten je Container; mit der Anzahl der Container multipliziert, erhält man die Gesamtsumme. Manche Tarife zählen die Staffeln allerdings ab Fristbeginn einschließlich der freien Zeit (z. B. „Tag 7–10“). Solche Angaben rechnet man vor der Eingabe auf Verzug-Tage um.
Was ist der Unterschied zwischen Demurrage und Detention?
Entscheidend ist, wo der Container steht. Bei Demurrage steht er noch im Terminal, während er bei Detention das Terminal bereits verlassen hat. Im Import läuft Detention ab der Abholung des vollen Containers bis zur Rückgabe des leeren Containers. Die FMC beschreibt Detention als Gebühr für die längere Nutzung von intermodalem Equipment. Gerechnet wird in beiden Fällen gleich: Für Detention geben Sie im Rechner Abholung und Leerrückgabe als Zeitraum ein.
Wie lange dauert die freie Zeit (Free Time) üblicherweise?
Eine allgemein übliche Dauer gibt es nicht. Die freie Zeit hängt von Hafen, Reederei, Containertyp und Vertrag ab, gesetzlich festgelegt ist sie nicht. Einige Beispiele: Hapag-Lloyd gewährt im Import über Hamburg und Bremerhaven 4 Kalendertage für Standardcontainer, in Wilhelmshaven 7 Tage (Tarif gültig ab 01.01.2026). Ein früherer US-Importtarif von Hapag-Lloyd (01.10.2023–14.06.2024, nicht mehr gültig) sah den Entladetag plus 4 Werktage vor, für Spezial- und Tankcontainer 3 und für Kühlcontainer (Reefer) in Betrieb 2 Werktage. Das Containerterminal HJNC in Busan berechnet sein eigenes Lagergeld nach 4 freien Tagen, bei Gefahrgut, Übermaß und Kühlcontainern nach 3. Für Spezialcontainer und Gefahrgut fällt die freie Zeit also tendenziell kürzer aus. Außerdem zählen manche Tarife Kalendertage, andere Werktage.
Wann beginnt Demurrage zu laufen?
Das legt die Reederei fest: mit der Ankunft des Schiffs, während des Entladens oder erst nach abgeschlossener Entladung. Da das Entladen in der Regel 2–3 Tage dauert, in Ausnahmefällen bis zu einer Woche, macht dieser Unterschied auf der Rechnung viel aus. Auch der erste Zähltag ist nicht einheitlich: Bei Hapag-Lloyd in Deutschland zählt der Entladetag bereits als Tag 1, bei anderen Reedereien beginnt die Zählung erst am Tag nach dem Eingang im CY (Container Yard). Wie Wochenenden und Feiertage zählen, ist ebenfalls unterschiedlich geregelt. Maßgeblich ist immer der Tarif Ihrer Reederei.
Wie viel kostet Demurrage pro Tag?
Die Tagessätze stehen im Tarif der Reederei und unterscheiden sich nach Hafen, Containertyp und Staffel; einen einheitlichen Marktpreis gibt es nicht. Ein Beispiel ist Hapag-Lloyd, Import über Hamburg und Bremerhaven ab 01.01.2026: Für einen 20-Fuß-Standardcontainer kosten die ersten 4 Tage nach der freien Zeit je 80 EUR, die nächsten 5 Tage je 120 EUR und jeder weitere Tag 190 EUR; beim 40-Fuß-Container sind es 120, 190 und 240 EUR. Das Lagergeld ist dort in der Demurrage enthalten. Bei 14 Tagen im Terminal ergeben sich für den 20-Fuß-Container 10 Verzug-Tage und 4 × 80 + 5 × 120 + 1 × 190 = 1.110 EUR. Der frühere US-Importtarif von Hapag-Lloyd (01.10.2023–14.06.2024, nicht mehr gültig) lag für Standardcontainer bei 200, 250 und 300 USD pro Tag. Geben Sie im Rechner die Sätze aus Ihrem eigenen Tarif ein; das $-Zeichen ist fest, gerechnet wird in der eingegebenen Währung.
Warum steigt der Tagessatz von Staffel zu Staffel?
Demurrage entschädigt den Eigentümer von Container und Terminalfläche und soll dazu bewegen, Container abzuholen und Platz freizugeben; Häfen sollen nicht zur Dauerlagerung genutzt werden. Die steigenden Staffeln verstärken diesen Anreiz: Je länger ein Container steht, desto höher liegt der durchschnittliche Tagespreis. Im Beispiel auf dieser Seite kostet der erste Verzug-Tag 150 USD, über fünf Verzug-Tage liegt der Durchschnitt bei 210 USD pro Tag.
Welche Angaben muss eine Demurrage-Rechnung in den USA enthalten?
Seit dem 28.05.2024 gelten in den USA Mindestangaben für D&D-Rechnungen (Demurrage und Detention) nach 46 CFR Part 541, gestützt auf den Ocean Shipping Reform Act of 2022. Sie betreffen Rechnungen von Reedereien, Terminalbetreibern und NVOCC (Non-Vessel Operating Common Carrier). Zur Identifikation gehören die Nummer der Bill of Lading, die Containernummer, im Import der Entladehafen und eine Begründung, warum der Rechnungsempfänger die zahlungspflichtige Partei ist. Zum Zeitraum sind Rechnungsdatum und Zahlungsfrist anzugeben, außerdem die gewährten Tage freier Zeit mit Beginn und Ende, im Import die Containerfreigabe (abholbereit ab …), im Export der erste mögliche Anlieferungstag sowie die Tage, für die Gebühren berechnet werden. Zu den Kosten gehören Gesamtbetrag, Rechtsgrundlage – etwa Tarif oder Service Contract (Rahmenvertrag mit der Reederei) – und die angewandten Sätze. Hinzu kommen ein Ansprechpartner mit Hinweisen und Fristen für Anträge auf Erlass, Erstattung oder Verzicht sowie eine Bestätigung, dass die Rechnung den FMC-Regeln entspricht und der Rechnungssteller die Gebühren nicht selbst verursacht hat. Fehlt eine Pflichtangabe, entfällt die Zahlungspflicht. Das gilt auch, wenn die Rechnung nicht innerhalb von 30 Kalendertagen nach dem letzten Gebührentag gestellt wird. Für Anträge auf Erlass oder Erstattung bleiben ab Rechnungsdatum mindestens 30 Kalendertage.
Wer zahlt Demurrage?
Das regeln der Frachtvertrag und die Bedingungen der Bill of Lading; eine pauschale Antwort gibt es nicht. In den USA muss jede D&D-Rechnung begründen, warum der Rechnungsempfänger die zahlungspflichtige Partei ist; fehlt diese Begründung, entfällt die Zahlungspflicht. Die frühere Vorschrift 46 CFR §541.4, die festlegte, wem Reedereien und Terminals D&D-Gebühren berechnen dürfen, hat das US-Bundesberufungsgericht für den District of Columbia (D.C. Circuit) am 23.09.2025 aufgehoben; am 29.12.2025 wurde sie aus dem CFR gestrichen. Die übrigen Regeln gelten weiter.
Wie lassen sich Demurrage-Kosten senken?
Ganz vermeiden lässt sich Demurrage nicht immer, mit Planung und früher Abstimmung aber deutlich reduzieren. Ansatzpunkte sind: Ware und Dokumente rechtzeitig bereithalten, die Zollabwicklung vorab erledigen und über die Spedition eine längere freie Zeit oder bessere Sätze verhandeln. Außerdem sollten Demurrage- und Detention-Sätze pro Container und Tag sowie die freie Zeit schon im Angebot stehen und alle Beteiligten frühzeitig informiert sein. Manche Reedereien bieten zusätzliche Detention-Tage zum Kauf an, Maersk etwa bei Importbuchungen über Maersk Go. Wird der Container innerhalb der freien Zeit abgeholt, fällt für diesen Zeitraum keine Demurrage an. Detention oder Lagergeld nach der Abholung sind davon unabhängig.
Kann ich einen Tarif mit Werktagen oder mehr als drei Staffeln eingeben?
Nur eingeschränkt. Der Rechner zählt Kalendertage: Der Starttag ist Tag 1, der Endtag zählt mit, Wochenenden und Feiertage werden nicht herausgerechnet. Bei einem Werktag-Tarif sollten Sie die Verzug-Tage daher selbst am Kalender prüfen und die Eingaben entsprechend anpassen. Außerdem kennt der Rechner zwei Staffeln plus einen Satz für alle weiteren Tage. Tarife mit vier oder mehr Stufen lassen sich damit nicht abbilden; berücksichtigt werden dann nur die ersten beiden Staffeln und der Folgesatz, das Ergebnis weicht entsprechend ab.
Quellen
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